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Foto von der Skifreizeit
Luftballons bei der Einschulung
Experiment mit Feuer
Drohnenaufnahme von Schülern die den Schriftzug JHG bilden
Einschulung der neuen Fünftklässler
Aufführung der Bläsergruppe

WN vom 28.03.2025: Viele Tote in den letzten Stunden – Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Senden

SENDEN. Es war der 30. März, Karfreitag, vor 80 Jahren, als Briten und Amerikaner das Münsterland besetzten – und dem Zweiten Weltkrieg ein Ende bereiteten. In Senden kündigte sich der Einmarsch der alliierten Truppen mit einem Knall an – der aber nicht von ihnen stammte. Vielmehr waren es deutsche Soldaten, die den Befehl befolgten, gleichsam in letzter Sekunde in Senden die Kanalbrücke zu sprengen. Verkehrswege sollten zerstört und verbrannte Erde hinterlassen werden, hatte Hitler verlangt. Das Anrücken der gegnerischen Verbände verhinderte dies nicht. Britische Pioniere brauchten nur wenige Stunden, um eine Pontonbrücke über die Wasserstraße zu bauen. Aus Lüdinghausen rückten die britischen Streitkräfte an.

In Senden soll der erste amerikanische Panzer am Karfreitag 1945 aus Richtung Buldern kommend um 10.50 Uhr gesichtet worden sein. Im Dorf waren weiße Fahnen aufgehängt worden – um Blutvergießen zu verhindern. Die Fahnen verschwanden wieder, nachdem „junge SS-Leute“ dies unter „Androhung des Erschießens“ angeordnet hatten, so heißt es in der Chronik von Pfarrer Bernhard Lücke. Demnach sei es in Senden „verhältnismäßig ruhig“ gewesen, „abgesehen von dem Kanonen-Donner, der auch das Dorf nicht zur Ruhe kommen ließ“. In Erwartung von Fliegerangriffen seien viele Sendener in die Bauerschaften geflüchtet. Doch wurden diese bis in die Nacht unter Artillerie-Feuer genommen. Besonders im Bereich der Huxburg sollten sich noch einige Hundert Soldaten und SS-Angehörige aufhalten.

Zu Kämpfen mit tragischen Folgen kam es unter anderem auf der Straße zwischen Senden und Appelhülsen – in dem Waldgebiet Höpings Brook. Wehrmachtssoldaten hatten das Feuer auf die von Appelhülsen aus anrückenden US-Panzer gerichtet. Ein Akt aus purer Verzweiflung. „Wir wussten, dass der Krieg verloren war“, schilderte später einer der Soldaten, der regelmäßig die Gräber seiner Kameraden auf dem Laurentius-Friedhof besucht hat. Er war damals 18 Jahre alt – gehörte zu einer Gruppe von 20 jungen Männern, von denen vier überlebten. Sie waren von einem SS-Offizier, der ihnen buchstäblich im Nacken saß, gezwungen worden, den aussichtslosen Kampf fortzusetzen. Die Soldaten wurden von den Panzern überrollt, ihre Schützenlöcher boten kaum Schutz, sollen bis heute in dem Wald zu erkennen sein.

Das schildert Karl Schulze Höping, erster Vorsitzender des Heimatvereins Senden. In dessen Archiv, das von Martin Lütkemann und dem Ehepaar Ulrike und Hermann Geuting gepflegt wird, finden sich viele Fotos und Dokumente auch aus der Phase, als die Nazi-Herrschaft endete.

Schulze Höping hat auch einen persönlichen Bezug zu den Ereignissen. Denn es war sein Großvater, Franz Schulze Höping sen., der dafür sorgte, dass die toten Soldaten nach Senden transportiert und auf dem Friedhof beigesetzt werden. Wo der Heimatverein die Pflege der Grabstelle übernommen hat. Landwirt Franz Schulze Höping, vor 1933 ein Zentrumspolitiker, wurde von den Alliierten unmittelbar mit ihrem Einmarsch als vorläufiger Bürgermeister Sendens eingesetzt.

In Ottmarsbocholt ist es dem „couragierten Verhalten“ einiger Dorfbewohner zu verdanken, dass ein Blutvergießen abgewendet wurde. Denn „mutige Frauen und Männer gingen den vorrückenden amerikanischen Truppen entgegen“, wie es auf einem Gedenkstein am Spieker heißt. Dass dieser 2017 aufgestellt wurde, hatte mit der Frage zu tun, wie öffentlich gewürdigt werden kann, was die Menschen damals für ihren Ort geleistet haben. Die damalige historische Situation wurde auch mit Hilfe eines Geschichtskurses angehender Abiturientinnen und Abiturienten des Joseph-Haydn-Gymnasiums unter der Leitung von Joachim Lüken rekapituliert.

Demnach hat eine Gruppe unter anderem mit Wilhelm Kasberg und dem Englischlehrer Erich Hammer den direkten Kontakt mit der US-Armee gesucht. Eine zweite Gruppe soll im Dorf dafür gesorgt haben, das an den Gebäuden weiße Fahnen hängen. So wurde Ottmarsbocholt an die Amerikaner übergeben, ohne dass es zu Kampfhandlungen kam. Der Vorstoß war gefährlich, weil Nazis oder verbliebene SS-Angehörige damit gedroht hatten, jeden zu erschießen, der durch äußere Zeichen eingestand, die militärische Niederlage zu akzeptieren. Der also riskanten, doch rettenden Initiative schlossen sich laut Geschichtslehrer Lüken auch Anton Lindfeld, Hermann Fohrmann, Heinrich Unewisse und Magdalena Scheffer an. Ob es weitere Beteiligte gab, blieb offen, so Lüken. Er sieht das damalige Unterrichtsprojekt bis heute als „etwas Besonderes“ an. Die Recherche sei sowohl den Schülern als auch den Befragten nahe gegangen, habe das historische Geschehen geklärt und veranschaulicht.

In seinem eigenen familiären Umfeld und seinem Hof hat auch Cornelius Bracht viele Informationen und Dokumente zu den letzten Kriegstagen gesammelt und dokumentiert. Was ihn dabei am stärksten berührt hat: „Ich finde den Bezug zur Gegenwart so erschreckend.“

Der Heimatverein Senden lädt am 6. Mai (Dienstag), 19 Uhr, zu einem Vortrag von Dr. Heiner Möllers vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zum Kriegsende ins Alte Zollhaus ein.

von Dietrich Harhues

WN vom 28.03.2025 (Ausgabe Nr. 74, S. 17)

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